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Dienstag, 17. Oktober 2017

OT: Ökozid durch Glyphosat


Lief soeben auf Arte und steht ab sofort in der Arte-Mediathek: 


Roundup - der Prozess



Ein Doku-Film über das, was Glyphosat anrichtet - bei Menschen, Tieren und Pflanzen. 

Ökozid = Umweltmord, flächendeckend. 

Die Monsanto-Vorstände und -Aktionäre häufen die Millionen an, egal dass Menschen, Tiere und Pflanzen verrecken. 

(Ja, sogar die genmanipulierten Sojabohnen, die durch Roundup so super gedeihen sollen.)

Einer der besten Doku-Filme, die wir je gesehen haben. 

Absolut sehenswert. 


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Interessiert mich nicht, betrifft mich nicht, geht mich nix an? 

Doch, geht Dich was an. 

Spätestens dann, wenn Dein Nachbar anfängt, mit der Giftspritze in seinem Garten herumzunebeln. 

Und: Glyphosat steckt natürlich auch im Industriefutter für Katzen und Hunde


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Gibt es eigentlich noch Leute, die glauben, dass die Behörden - national oder auf EU-Ebene - uns vor Gift und Umweltzerstörung schützen



Donnerstag, 28. September 2017

Zum Welttollwuttag 2017


Zum heutigen Welttollwuttag gibt es, wie jedes Jahr, jede Menge Verlautbarungen, und nicht alle sind sachkundig. 

So ermahnt der Landkreis Zwickau die Tierhalter, regelmäßig gegen Tollwut nachimpfen zu lassen, und begründet das so: 

"Auch wenn Deutschland seit 2008 tollwutfrei ist, kann das Virus jederzeit wieder nach Europa eingeschleppt werden (...) Immer wieder ist es in den vergangenen Jahren passiert, dass bei illegal nach Deutschland gebrachten Hunden das Tollwut-Virus festgestellt wurde" (Hervorh. MP). 

"Immer wieder"? Ja, wie oft ist das denn passiert?

Das verrät uns die Ständige Impfkommission Vet:

"Seit 1978 sind insgesamt nur 10 Fälle bekannt geworden, in denen infizierte Hunde nach Deutschland eingeführt worden sind." 

Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, Version 2017, S. 31

Also: Ganze zehn Fälle in fast 40 Jahren. 

Wir würden da nicht von "immer wieder" sprechen. 


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Eine erfreulich entspannte Einstellung zum Thema hat der Ulmer Tierarzt Ralph Rückert, auf dessen Blog wir hiermit sehr gern hinweisen


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Und wenn es nun doch einmal zum Äußersten käme? 

Wie man bei Tieren mit abgelaufener Tollwutimpfung verfahren könnte, zeigen die Tierärzte im öffentlichen Dienst der US-Bundesstaaten

Und die sind wahrlich nicht dafür bekannt, dass sie Tollwut auf die leichte Schulter nehmen würden. 


PS: In den letzten Wochen haben viele Freibäder zum Hundebadetag eingeladen. Doch ohne gültige Tollwutimpfung dürfen die Hunde i. d. R. nicht rein - vor dem Einlass ist der Impfpass vorzuzeigen. Wir würden wirklich gern erfahren, auf welche Rechtsgrundlage sich die Kommunen dabei stützen. Die Tollwutverordnung kann es nicht sein, denn da sind irgendwelche Anmeldepflichten für Hundeveranstaltungen (und die daraus resultierenden Impfkontrollen) nur in tollwutgefährdeten Bezirken vorgesehen - von denen gibt es aber in Deutschland seit Herbst 2008 keinen einzigen mehr.




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Dienstag, 26. September 2017

Hundeimpfung: Neue US-Richtlinien mit altem Inhalt



Die American Animal Hospital Association (AAHA) hat diesen Monat eine neue Version ihrer Impfrichtlinien für Hunde veröffentlicht. 

Was Neues findet sich in diesen Guidelines nicht. Alles wie gehabt: Staupe-Hepatitis-Parvo (SHP) im Abstand von drei (oder vielleicht auch mehr) Jahren, andere Impfungen je nach Lebensstil, usw., usf. 

Geändert hat sich die Präsentation: Früher wurden die Guidelines im Journal der AAHA als Print und PDF publiziert, heute gibt es im Journal nur noch eine Rumpfversion, die hauptsächlich aus Tabellen besteht. Etwas Text steht auf der Website der AAHA, für den eiligen Gebrauch. 

Eine wissenschaftliche Basis für SHP-Nachimpfungen beim bereits immunisierten Hund oder für jährliche Nachimpfungen (Lepto usw.) sucht man auch dieses Mal vergeblich. 


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Warum das so ist, wird gleich auf der Startseite der Richtlinien klar: 

"These guidelines were sponsored by a generous educational grant from Boehringer Ingelheim, Merial, Merck Animal Health, and Zoetis."

Eben. Großzügig finanziert von den Impfstoff-Multis*.



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Worauf beruhen diese Richtlinien? Laut AAHA-Task Force darauf:

"Evidence-based support for specific recommendations has been cited whereever possible and appropriate. Other recommendations are based on practical clinical experience and a consensus of expert opinion."

Also: Soweit vorhanden und angemessen (?), werden für die Empfehlungen wissenschaftliche Belege zitiert; andere Empfehlungen basieren auf klinischer Erfahrung und Expertenkonsens. 

Tja. Und das bedeutet, dass wir es an den kritischen Stellen vor allem mit Consensus-Medizin zu tun haben, die aus guten Gründen in der Humanmedizin verrufen ist.** Eine Gruppe von Fachleuten tagt und einigt sich auf das, was ihren Finanziers gefällt.  


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Dass nicht viel Wissenschaft dahinterstecken kann, zeigt sich aufs schönste bei den Empfehlungen zur Impfung der Welpen gegen Staupe-Hepatitis-Parvo. 

AAHA 2017: SHP-Impfungen ab der sechsten Woche im Abstand von zwei bis vier Wochen bis zum Alter von etwa 16 Wochen, eine weitere Impfung ein Jahr danach. Bei Hochrisiko-Umgebung könnten Welpen von einer abschließenden Impfung mit 18 bis 20 Wochen profitieren. Hochrisiko: wenn Parvo und Staupe häufig vorkommen oder Welpen oft Kontakt mit anderen Hunden haben. 

WSAVA 2016: Der Weltverband der Kleintierärzte sieht das anders. In seinen Empfehlungen von 2016 plädiert er - ohne Rekurs auf Risikolagen - für eine vierte (je nachdem, sogar fünfte) Impfung im Welpenalter. Und zwar, weil es Welpen gibt, die wegen hohen Nestschutzes mit 16 Wochen immer noch nicht auf SHP ansprechen. Ist man unsicher, ob der Welpe/Junghund geschützt ist, wäre es unsinnig, die nächste SHP erst mit 16 Monaten zu geben - das Tier wäre in der Zeit ja ohne Schutz. 

Nebenbei: Eine wissenschaftliche Basis für die vierte (oder fünfte oder gar sechste) SHP-Impfung ein Jahr nach der letzten Runde im Welpenalter haben wir noch nie gesehen. Bei den allermeisten Welpen klappt die Impfung mit 16 Wochen, daher brauchen sie keine Nachimpfung mit 20 oder 24 Wochen oder 16 Monaten. Wer sicher sein will, lässt beim Welpen S- und P-Titer kontrollieren. - Wer's nicht glaubt, sollte so konsequent sein und seine Kinder vier- oder fünfmal gegen (zB) Masern impfen lassen. Und sich selbst alle drei oder vier oder fünf Jahre zur Masernnachimpfung begeben. 


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Chef der AAHA-Task Force war übrigens Professor Richard Ford, der uns kürzlich an anderer Stelle negativ aufgefallen ist. 




* Wobei die Konzentration auf immer weniger internationale Konzerne zügig weitergeht. Merial wurde dieses Jahr von Boehringer Ingelheim übernommen. 

** Consensus-Medizin, hergestellt auf Consensus-Konferenzen: Sie ist das ideale Einfallstor für Industrieinteressen und hat uns u. a. pharmafreundliche Grenzwerte für Blutfettwerte etc. pp. eingebrockt. Dieselbe Kritik gilt übrigens für Leitlinien, Richtlinien o. ä. 

Was genau für die AAHA-Task Force gezahlt wurde und wer wie viel bekommen hat, wird nicht verraten. Üblicherweise werden Anreise, Kost und Logis für die Zusammenkünfte von der Pharmaindustrie bezahlt (ggf. auch eine Runde auf dem schönen Golfplatz des Luxushotels). Und die Pharmaindustrie achtet immer auf ihren return on investment, also darauf, dass es sich auszahlt. 





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Donnerstag, 7. September 2017

Katzenschnupfen: Nachimpfung sinnlos



Das feline Herpesvirus (FHV) ist, neben dem Calicivirus, einer der zwei relevanten Erreger des Katzenschnupfenkomplexes. 

Bis Ende 2016 lautete die Empfehlung der "Ständigen Impfkommission Vet", Katzen jährlich oder, bei Wohnungshaltung, alle zwei Jahre gegen FHV nachimpfen zu lassen. 

Was sowieso ziemlich realitätsfern war. Denn gegen FHV und FCV wird mit Dreierkombis geimpft (Seuche plus Schnupfenerreger) oder sogar mit größeren Kombis (Seuche-Schnupfen-Chlamydien, Seuche-Schnupfen-FeLV, usw.). Nur-Schnupfen-Impfstoffe ohne Seuche usw. verwenden nach unserem Eindruck nur wenige Tierärzte. Also bekommen Katzen bei jährlicher oder zweijährlicher Schnupfenimpfung in der Regel auch mindestens den Seuche-Impfstoff reingehauen, der laut Stiko Vet alle drei Jahre gegeben werden soll. 

In der aktuellen Fassung der Leitlinie vom Dezember 2016 heißt es nur noch, es würden "je nach Hersteller Wiederholungsimpfungen im Abstand von 1 bis 3 Jahren empfohlen". 


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Impfabstände von drei Jahren mögen im Vergleich zur jährlichen Impferei fortschrittlich aussehen, aber begründet sind auch sie nicht. 

Das weiß man seit mindestens 20 Jahren.

Virusforscher aus den USA haben kürzlich eine Arbeit zum felinen Herpesvirus vorgelegt, die die Kritik an der Nachimpferei bestärkt (Munks et al. 2017). 


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Untersucht wurden Herpes-Antikörper bei Katzen aus Privathaltung.

Und zwar mit einer anderen Messmethode als in den älteren Studien zum Thema. 

Ergebnis: 

1. Ältere Katzen haben höhere FHV-Antikörpertiter als jüngere. 

"The current feline vaccine recommendations assume that immunity wanes over time. Thus we were surprised to find a positive correlation between antibody and age (...)"

Die Forscher fanden zu ihrer Überraschung einen positiven Zusammenhang zwischen Alter und Höhe der Antikörpertiter.

Aber: Liegt das womöglich daran, dass ältere Katzen schon mehr Impfungen bekommen haben? 

Nein. Denn die Forscher fanden auch dies

2. FHV-Antikörper hängen nicht ab vom Zeitabstand zur letzten Impfung und auch nicht von der Gesamtzahl der Impfungen. 

"FHV-1 antibodies are not dependent on recent vaccination or total vaccinations."


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Wozu also nachimpfen?




PS: Die Katzen hatten FHV-Lebendimpfstoffe erhalten. Die meisten Schnupfenimpfstoffe enthalten abgeschwächtes Lebendvirus, in den USA und auch in Europa. Die Impfung verhindert NICHT die Infektion mit Herpesvirus, soll aber Krankheitssymptome vermindern können (was in stressiger Umgebung oft nicht funktioniert). 

Munks et al. stellen die Frage, ob die Langzeitantikörper ("this very long-lived antibody response") auf den Lebendimpfstoff zurückzuführen sind oder auf eine Infektion mit Herpeswildvirus (die ja auch bei geimpften Katzen passiert); die Infektion besteht lebenslang und kann das Immunsystem ständig anregen, neue Antikörper zu bilden.



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Kleine Hunde, große Hunde




Der Sommer, bzw. die Monsun-Saison ist vorbei, nun müssen wir nach und nach abarbeiten, was in der Zwischenzeit liegen geblieben ist. 

Zum Beispiel das hier: 

Brauchen große Hunde mehr Impfungen oder größere Impfdosen als kleine?

Diese Frage wurde in der Münchener Parvo-Antikörper-Studie aufgeworfen, über die wir hier berichtet haben

Wir hatten seinerzeit angekündigt, das Thema aufzugreifen; was wir hiermit tun.  

Von den 14 Hunden, die den (umstrittenen) Mindesttiter von 1:80 verfehlten, erreichten sieben auch nach der Nachimpfung nicht diesen Wert. Und alle sieben waren in der Gewichtsklasse ab 10 kg. 

"A deficient stimulating effect on the immune system of large dogs might be the explanation", heißt es in der Münchener Studie. 

Die Erklärung (für die paar Hunde ohne Mindesttiter) könne darin liegen, dass die Parvo-Impfstoffe das Immunsystem in den oberen Gewichtsklassen unzureichend stimulierten.


Vielleicht liege es aber auch daran, dass große Hunde mehr Unterhautfettgewebe haben; Fettgewebe könne die Immunantwort vermindern.


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Wir haben lange in der Fachliteratur nach aussagekräftigen Studien gesucht, doch es scheint nichts Vernünftiges zu geben zur Frage, ob große Hunde mit der üblichen Dosierung womöglich zu wenig Impfantigen erhalten. Eine deutliche Korrelation zwischen Körpergröße/Gewicht und Impftiter besteht bei Tollwutimpfstoffen, aber die sind ein anderer Fall als die SHP-Lebendimpfstoffe. 

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Muss man sich also Sorgen machen, dass große Hunde keinen Impfschutz haben?

Muss man nicht, wenn man den Herstellern glaubt. 

Wir bekommen doch ständig erzählt, wie gut die Impfstoffe sind und wie sorgfältig sie auf Wirksamkeit (und Verträglichkeit) getestet werden. 

Und das muss ja dann auch für große Hunde gelten. 





PS: Falls sich jetzt jemand doch Sorgen macht wegen des Parvo-Impfschutzes beim Rottweiler oder bei der Dogge: Jeder messbare Titer, auch ein niedriger, zeigt an, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert hat und dass ein Immungedächtnis angelegt ist. Sagt u. a. der Weltverband der Kleintierärzte WSAVA. 





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Montag, 17. Juli 2017

Buchempfehlung: Gerd Reuther, "Der betrogene Patient"



An medizinkritischen Büchern herrscht in Deutschland kein Mangel. Dr. Gerd Reuther, Radiologe im Ruhestand, weiß das auch, trotzdem hat er mit "Der betrogene Patient" nun noch eines vorgelegt. Es ist umfassender als andere Titel auf diesem Gebiet, faktensatt und meinungsstark. 

Und dabei oft auch unterhaltsam. So verreißt Reuther fünf Umsatzbringer von Bayer und resümiert: "Schlechter kann es mit dem Therapieangebot auf dem Wagen eines fahrenden Quacksalbers nicht ausgesehen haben." Oder: Wenn es nach ihm ginge, müssten viele Medizinprofessoren Firmenlogos auf ihren Kitteln tragen, damit die Korruption sichtbar wird.  








Der Autor lässt nichts aus, was im Gesundheitssystem falsch läuft: sinnlose Vorsorge, Überdiagnostik und Übertherapie, die Machenschaften der Pharma- und Medizintechnikindustrie und ihrer Mietmäuler, die Pathologisierung großer Bevölkerungsteile durch willkürlich gesetzte Normwerte, die Psychiatrisierung des Lebens, die schädliche Langzeiteinnahme von Medikamenten, die Operationswut in den profitgetriebenen Krankenhäusern, den Genetik-Hype. Er traut sich sogar, Impfkampagnen zu kritisieren.  

Etliches davon ist nicht neu und kann es natürlich auch nicht sein. Aber so weit ausholend und detailliert hat es noch kein deutschsprachiger Autor beschrieben. Insofern ist dieses Buch auch eine beeindruckende Fleißarbeit (allerdings leider ohne Stichwortregister). 

Sehr viele Leserinnen und Leser werden feststellen, dass sie oder ihre Angehörigen Opfer dieses Apparats waren oder sind: sei es, weil man ihnen die Rachenmandeln rausgerissen hat, sei es, weil sie auf Dauer Medikamente einnehmen, die immer weniger wirken, sei es, weil sie am "Sargnagel" Rollator gehen (was Reuther zufolge ihren Gleichgewichtssinn verkümmern lässt, ihre Atemmechanik verschlechtert und sie einem erhöhten Risiko für Stürze nach vorn aussetzt).

Zwei Kardinalsünden hebt der Autor - neben der Profitgier der Akteure - immer wieder hervor: 

- dass der Betrieb die fatalen Folgen seiner Hyperaktivität ignoriert (Todesursache Behandlung) und 

- dass Mediziner heutzutage überhaupt nicht mehr nach Krankheitsursachen suchen.

Das führt uns zu dem Kapitel, durch das sich Reuthers Buch eminent von ähnlichen Generalabrechnungen unterscheidet: die "schädlichen Auswirkungen, die Umweltgifte, Medikamente oder industriell veränderte Lebensmittel auf uns Menschen haben". Sie stünden nicht im Fokus der Medizin. Dabei seien chronische Vergiftungen die häufigsten Todesursachen überhaupt, "wenn man Medikamente, Sucht- und Umweltgifte zusammenrechnet". Die Deutsche Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin scheine sich "bei industriellen und agrarischen Vergiftungen von Luft, Wasser und Nahrung eine Art Schweigegelübde auferlegt zu haben" (S. 120). Dazu passt, dass sie sich laut Reuther zum 50. Jubiläum eine Laudatio ausgerechnet von einem BASF-Mitarbeiter schreiben ließ.  

Die Ärzteschaft schweige, wenn Grenzwerte für toxische Substanzen angehoben würden, wie etwa 2014, als bei Lebensmitteln die zulässigen Höchstwerte für 1832 Toxine erhöht worden seien. Wenn Grenzwerte beispielsweise für Nitrate im Wasser flächendeckend überschritten werden, "dann verhallt die Meldung geräuschlos im Verschweigungs- und Vertuschungskartell der Verantwortlichen".

Jeder halbwegs informierte Zeitgenosse dürfte mitgekriegt haben, dass Insekten und Vögel in nie gekanntem Tempo verschwinden, und zwar direkt oder indirekt wegen der Pestizide. Dass Gifte wie Glyphosat und seine Beistoffe auch uns Menschen schädigen, wird auf weiter Flur geleugnet. "Während Morbus Parkinson in Frankreich als Berufskrankheit von Landwirten anerkannt ist, die Pestiziden ausgesetzt waren, gilt dieser in Deutschland grundsätzlich nicht als umweltbedingte Erkrankung" (S. 123). 

Bei den Luftschadstoffen vollzieht sich dasselbe üble Spiel: "Seltenen Erkrankungen wie der Lyme-Karditis (Herzmuskelentzündung durch Borrelien nach Zeckenbiss) widmet die Ärzteschaft größere Aufmerksamkeit als den in den letzten Jahren zunehmenden ultrakleinen Feinstäuben." Die Autoindustrie als geldschwere Lobby sei den Medizinern genauso unantastbar wie die Pharmaindustrie. Luftverschmutzung werde als "Risikofaktor" verharmlost, anstatt auf ihre Verminderung zu dringen. Allergien seien Diagnosen einer Medizin, die Symptome zu Krankheitsbildern mache und die Unterdrückung des Immunsystems als ernsthafte Behandlungsoption ansehe. 

En passant watscht Reuther sodann die Komplizenschaft der Medizin mit der Lebensmittelindustrie ab. Tierzuchtbetriebe als Massenkrankenlager, schädliche Kunststoffverpackungen, lukrativer Vitaminzirkus, Fetthysterie, Kohlenhydratmast für Diabetiker, alles wird gewürdigt. Die einzige überzeitliche Ernährungsempfehlung könne nur lauten, dass man eine Mischung weitgehend naturbelassener, nicht industriell raffinierter Nahrungsmittel mit möglichst wenigen giftigen Beistoffen in angemessener Menge essen sollte. 

Man wird Reuther nicht in allem folgen wollen, etwa wenn er das Anspruchsdenken von Patienten anprangert ("Lieber eine schlechte Behandlung als gar keine").* Dabei wird die Bevölkerung doch von früh bis spät mit Medizinmarketing zugeschüttet, eine Disease-Awareness-Kampagne nach der anderen rollt durch die Medien. Aus Sicht des Medizinbetriebs ist der "Arztmuffel" wahrlich ein größeres Übel als der Dauergast im Wartezimmer.



Gerd Reuther, Der betrogene Patient. Riva Verlag, München 2017, 398 Seiten, 19,99 Euro



* Und schon gar nicht seinem 20-Punkte-Programm, insbesondere nicht den Punkten 12 und 19. 

Freitag, 12. Mai 2017

Raider heißt jetzt Twix



Es ist nicht ganz einfach, den Überblick über die Impfstoffe für Katzen und Hunde zu behalten. 

Das liegt u. a. an der Fusionitis in der Pharmaindustrie - Unternehmen werden aufgekauft, Produktpaletten bereinigt, usw.


Hier ein paar Neuerungen bei den Tollwut-Impfstoffen:


1. Die Tollwut-Komponente der Versican-Plus-Kombis (Staupe-Hepatitis-Parvo-Parainfluenza-Lepto-Tollwut; oder: Parainfluenza-Lepto-Tollwut) ist nunmehr für drei Jahre gültig. 

Wir würden allerdings diese Kombis, ob groß oder klein, nicht geben lassen, sondern einen Tollwut-Einzelimpfstoff.



2. Vanguard R heißt jetzt Versiguard Rabies und ist bei Hunden für drei Jahre zugelassen. 

Bei Vanguard R waren es nur zwei Jahre. Katzen würden wir dieses Produkt nicht geben lassen, da nur zwei Jahre gültig und mit Adjuvans.


3. Eurican LT heißt jetzt Eurican LR. 
Eurican SHPLT heißt jetzt Eurican DAP-LR.
Eurican SHPPi2LT heißt jetzt Eurican DAPPi-LR.

In allen drei Kombis war und ist die Tollwutkomponente (früher das T, jetzt das R) nur für ein Jahr gültig. Also keine gute Wahl


Es gibt Tollwutimpfstoffe für Hunde, die nach nur einer Impfung (ab 12 Wochen) für drei Jahre gelten: Nobivac T, Enduracell T und Versiguard Rabies. 

Und inzwischen hat ja auch die Stiko Vet eingesehen, dass das reicht.



4. Der Katzenimpfstoff Eurifel RCPT ist nicht mehr gelistet. Auch dieses Produkt war keine gute Wahl, denn erstens galt die T-Komponente nur für ein Jahr, und zweitens sollten Katzen grundsätzlich den adjuvansfreien Einzelimpfstoff erhalten. 

Falls die Tollwutimpfung überhaupt nötig oder sinnvoll ist. 


5. Bei den Tollwutimpfstoffen von Virbac (Virbagen-Produktreihe; Einzelimpfstoff oder Kombis) hat sich nichts geändert. Sie gelten nur für zwei Jahre (Hunde), bzw. "zwei bis drei" Jahre (Katzen). Warum nur zwei Jahre Gültigkeit, wenn man mit anderen Produkten drei Jahre haben kann?


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